Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Nachrichten 2020

Dem Biber auf der Spur

Die Spuren des Bibers ließen sich bei der Führung des LBV entlang der Gersprenz überall entdecken: Der Biber hatte zahlreiche Bäume mit seinen kräftigen Nagezähnen angenagt. Diese sind ein besonderes Merkmal unseres größten Nagetiers. Zu Beginn der Führung zeigte Biberexperte Thomas Wolf den Anwesenden Kindern und Erwachsenen einen Biberschädel und den Kiefer, bei dem sich die Zähne herausholen ließen. Alle Anwesenden waren erstaunt von deren Länge. Auch ein Biberpräparat hatte Thomas Wolf dabei und wies auf das dichte Fell, den kräftigen Schwanz und die Schwimmhäute zwischen den Zehen hin.  Lange Zeit wurde der Biber stark bejagt, berichtete Wolf. Sein Fell, sein Fleisch und das Bibergeil waren begehrt. Außerdem gab es schon früher Konflikte, wenn der Biber Bäume fällte. Heute ist er geschützt und für den Naturschutz von großer Bedeutung, denn der Baumeister verändert die Gewässer wie kein Anderer und schafft damit Lebensräume. Auch der Mensch profitiert von ihm, wenn es um den Hochwasserschutz geht: Gewässer, in denen der Biber zu Hause ist, treten seltener über die Ufer.

Auf dem Weg entlang der Gersprenz konnten die Teilnehmer die Bauwerke der dort ansässigen Biberfamilie entdecken. „In der Biberburg wohnen aktuell ein Elternpaar mit insgesamt vier Jungtieren aus den beiden Vorjahren“, berichtete der Biberexperte. Bevor der Bibernachwuchs in diesem Jahr kommt, müssen die beiden Jungtiere ausziehen. Den dämmerungs- und nachtaktiven Biber konnte man bei der Führung am Vormittag nicht entdecken, aber das tat dem Interesse der Anwesenden keinen Abbruch. „Die Biberführung ist immer gut besucht“, erzählte Thomas Wolf, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Biber befasst.

Der LBV bietet im Frühjahr noch eine weitere Führung an, diesmal im Landkreis Miltenberg. Am 14.03. geht es um 9:30 Uhr am Wanderparkplatz am Zeltlagerplatz mit Wolfgang Neuberger zur Wanderung ins Biberrevier. 

Aktiver Naturschutz der „Kahler Steinkäuze“ bringt Alt und Jung zusammen

Auf neues Terrain begaben sich die "Kahler Steinkäuze", die Naturschutzjugend (NAJU) des "Landesbunds für Vogelschutz" (LBV) in ihrer Gruppenstunde im Januar. Während die älteren Kinder (ab Klasse 4) beim Bäume pflanzen handfest zupacken mussten, war bei den Jüngeren eher die Feinmotorik gefragt: Zusammen mit 15 Bewohnerinnen der Kahler Seniorenresidenz stellten die Jungs und Mädels Fettfutter für Gartenvögel her. Mehlwürmer, Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Rosinen und andere Leckereien wurden dabei begutachtet, befühlt und verarbeitet. Die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung klappte nach anfänglichem Beschnuppern sehr gut. Mit viel Einfühlungsvermögen zeigten die Kinder den älteren Damen, wie's geht oder halfen mit, wenn die Augen oder Hände nicht mehr so recht wollten. Beim anschließenden Foto-Quiz mussten verschiedene Vögel erraten werden - Amsel, Blaumeise, Stieglitz, Ringeltaube... Ganz still wurde es im Raum, wenn dann die dazugehörige Vogelstimme zu hören war. In ihrem Element und voll dabei waren die Seniorinnen beim Vogel-Bingo. Altersgemischte Teams wurden gebildet und bald schon ertönte ein lautes "Bingo!". Zum Abschluss konnten alle, die noch Lust und Ausdauer hatten, Vögel aus Papier basteln, die jetzt hoffentlich in viele Zimmer ein bisschen Frühling und Farbe bringen. Für die "Kahler Steinkäuze" und für die Damen aus der Seniorenresidenz war jedenfalls eines klar: Das machen wir wieder mal!

Anpacken hieß es in der Zwischenzeit für die größeren "Steinkauz"-Kinder, die ganz in der Nähe in den Kahlwiesen vier neue Obstbäume pflanzten: Drei Apfelbäume, darunter Sorten wie der "Rote Bürgstädter" und ein Birnbaum (Mollebusch) wurden in die Erde gebracht. Die Kinder lernten dabei das kleine Einmaleins des Bäumepflanzens. Und so geht's: Ein ausreichend großes Loch graben (das zum Glück schon vorhanden war!), das Bäumchen einsetzen, wässern und fest die Erde andrücken. Zuletzt werden ein dicker Holzpfahl (er stützt den jungen Baum) und ein Verbissschutz (er hält hungrige Tiere ab) angebracht. Sturmtief Bernd hatte im vergangenen August viel verwüstet in Kahl, so dass die Kinder die Fläche von herabgefallenen Ästen und Reisig befreiten und diese anschließend aufschichteten - Schutz und Lebensraum zugleich! Ein umgefallener Walnussbaum wurde dabei begeistert als Kletterbaum erobert...

Ab Februar können auch endlich die Kinder von der Warteliste als aktive Naturschützer zu den "Kahler Steinkäuzen" dazustoßen, die dann mit gut 30 Kindern eine starke Naju-Gruppe in der Kreisgruppe Aschaffenburg ist.

Schleiereulen im Glockenturm

Seit dem 9. Januar 2020 hängt im Glockenturm der Rosenkranzkirche in Stockstadt, eine Etage unter den Glocken, hinter einem Fensterschlitz an der Innenseite des Turmes ein Nistkasten für Schleiereulen. Diese exponierte Lage in luftiger Höhe über den Dächern von Stockstadt ist ohne Zweifel ein idealer Brutplatz für Schleiereulen. Von hier aus haben sie es nicht weit zu den umliegenden Feldern, wo sie vorwiegend in der Nacht, ihre Hauptnahrung, die Feldmäuse, jagen und erbeuten können. Die einzige "Belästigung" dürfte nur das Geläut der Glocken sein, aber bekannterweise lassen sich Turm-Brutvögel wie z. B. Eulen, Falken, Dohlen oder Tauben durch das Glockengeläut in ihrem Brutverhalten überhaupt nicht stören. Und sollte sich, wie erhofft, in naher Zukunft ein Schleiereulenpaar dort häuslich einrichten um für Nachwuchs zu sorgen, dann würden sich sicher nicht nur die Stockstädter Bürger, sondern vor allem die Rosenkranzgemeinde und die Regionalgruppe Aschaffenburg-Miltenberg des Landesbundes für Vogelschutz darüber freuen. Wenn statt der Schleiereulen ein Turmfalkenpaar das Quartier beziehen sollte, dann wären alle Beteiligten sicherlich auch über diesen Teilerfolg erfreut.

Angebracht wurde der Nistkasten auf Initiative der Kirchengemeinde der Rosenkranzkirche in Stockstadt. Wie dem LBV geht es ihnen vordergründig darum einen umweltökologischen Beitrag zu leisten, indem neue Brutplätz geschaffen werden, um dadurch dem drohenden Arten- und Populationsschwund, gerade von Gebäudebrütern wie z. B. Schleiereulen, entgegen zu wirken. Andreas Debor kontaktierte deshalb den Arbeitskreis Gebäudebrüter der Regionalgruppe Aschaffenburg-Miltenberg mit der Bitte um fachlichen Rat und Unterstützung bei der Montage von Nisthilfen an dem Glockenturm der Kirche. Vorbereitet und montiert haben schließlich den Nistkasten drei Aktive der LBV Regionalgruppe, Thomas Stadtmüller, Melina Lindner und Dr. Klaus Heller.  Jüngste Kontrollen vieler Nistkästen haben gezeigt, dass gerade die Population der Schleiereulen im Landkreis Aschaffenburg sehr stark zurückgegangen und diese faszinierende Eulenart kaum mehr anzutreffen ist. Umso mehr hoffen jetzt alle Interessierte und Beteiligten, dass sich der gewünschte Bruterfolg in möglichst naher Zukunft im Glockenturm einstellt.